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Wenn das Meer wie besessen gegen Strand und Fels schlägt, die Gischt bis zur obersten Klippe spritzt, dann war der böse Mann erwacht, so erzählt es die Sage. Tief unter dem Strand lebe er und kündige große Unwetter durch schauerliches Heulen und Jammern an. – So oder so ähnlich mag sich mancher Insulaner das Tosen des Sturmes erklärt haben.

Vertrauensvoll hoffend, dass er schnell vorüberzieht und nicht allzu große Zerstörung hinterlässt. Aber nicht nur den Stürmen musste der Helgoländer im Laufe der Jahrhunderte trotzen. Auch mit den ständig wechselnden politischen Machtverhältnissen hatte er sich zu arrangieren.

Frühgeschichte – 14. Jahrhundert

Weit vor dem Jahre 800, soll das “Heiligeland” mit dem nordfriesischen Festland an der Eider sowie den Inseln Föhr, Amrum und Sylt verbunden gewesen sein. Ausgrabungen verweisen auf Grabfunde aus der Zeit 4000 v. Chr. In jener Zeit fanden die ersten Besiedlungen statt. Die Chroniken erzählen von Sturmwinden und Wasserfluten, die das Land wegrissen und es kleiner machten. Vom ursprünglichen Heiligeland, welches über drei Meilen groß gewesen sein soll, blieb nur der rote Felsen übrig.

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Die ersten Friesen lebten als Bauern, Fischer und Seefahrer auf den vorgelagerten Inseln. Sie blieben Heiden, bis sie unter der Herrschaft Karls des Großen zum Christentum gezwungen wurden.

Nur die Kräftigsten überlebten und stellten sich dem Kampf mit dem Meer. Sie lernten deichen, um ihr Land zu erweitern. Fische, Krebse, Muscheln und Seevögel lieferten ihnen Nahrung, im Treibholz fanden sie Baumaterial und Feuerholz. Immer wieder vernichteten Sturmfluten, wie die Marcellusflut oder die große Manntränke, die Landflächen und mit ihnen die Menschen. Ihre Buden zur Lagerung von Werkzeugen und Fanggeschirr, Vorräte und Material sowie ihre Tiere wurden von den Klippen gespült, ihre Boote zerstört.

In jener Zeit interessierte sich kein Landesherr für die Insel. Helgoland unterstand im 13./14. Jahrhundert der dänischen Krone und blieb weitgehend unbehelligt. Hier gab es nichts an Wert und militärische Stützpunkte wurden seinerzeit noch nicht benötigt.

Nur der Pirat Claus Störtebeker soll auf Helgoland mit seinen Vitalienbrüdern ein Schlupfloch im Fels gefunden haben, in welchem er das geraubte Gold und Edelsteine versteckte. Solange, bis er 1401 von dem Admiralsschiff “Bunte Kuh” aufgegriffen wurde und in Hamburg seinen Kopf verlor. Soweit die Legende. Die “Bunte Kuh” gibt es heute noch: In dem gemütlichen Restaurant im Unterland kann man speisen und an die Seeräuberzeit denken.

1425-1714: Helgoland im Besitz von Schleswig-Holstein-Gottorf

Das Leben der Helgoländer veränderte sich abrupt, als 1425 Massen an Heringsschwärmen vor der Insel erschienen. Von diesem Segen profitierte der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, dem 1490 die Insel zufiel.

Nun war Helgoland nicht mehr irgendeine kleine Insel mitten im Meer, sondern eine ergiebige Einnahmequelle. Bewohner der Küstenstädte beteiligten sich am Fang und zogen auf das Eiland. Der Heringssegen hielt fast 100 Jahre an und bescherte den Helgoländern eine Glanzzeit. Aber bereits Mitte des 16. Jahrhunderts war der Hering verschwunden und mit ihm alle Fremden.
neu: Als der Hering Mitte des 16. Jahrhunderts verschwand, verließen auch alle Einwanderer die Insel.

Nach Ausbleiben der Heringsschwärme fand Helgoland erst nach Ende des dreißigjährigen Krieges 1648 zu neuem Aufschwung zurück. Handel und Wirtschaft mussten in Schwung gebracht werden. Die Schifffahrtswege wurden stärker genutzt und so bekamen die Helgoländer Gelegenheit, sich als Lotsen auf den schwierigen Elbe- und Weserfahrwassern zu bewähren.

Als Kapitäne und Steuerleute bereisten sie auf Kauffahrteischiffen die Welt, beteiligten sich am Walfang und fuhren zum Robbenschlagen ins Nordmeer. Sie begannen, Hummer zu fangen und nach England und Hamburg auszuführen. Östlich der Düne befand sich eine ertragreiche Austernbank. Sie hatten eine neue Existenzgrundlage gefunden.

Das Unterland verlief in einen flachen Sand- und Geröllstrand zur Düne über, auf der sich damals Kalkfelsen erhoben, die so hoch wie der rote Fels waren. Von der “Witte Klyppe” wurde bereits seit 1463 Kalk und Gips abgebaut, so dass die Überreste anno 1711 nach einer Sturmflut zusammenbrachen. Es blieb nur noch der “Woal” übrig, der schließlich in der Silvesternacht 1720/21 endgültig durch einen starken Sturm brechen sollte. – Düne und Insel, so wie wir sie heute kennen, waren entstanden.

1714-1807: Helgoland gehört zu Dänemark

Herzog Friedrich von Schleswig-Gottorf stand im Bündnis mit der Großmacht Schweden. Gemeinsam hatten sie sich gegen Dänemark verbündet, das zusammen mit Polen und Russland um die Vormachtstellung im Ostseeraum kämpfte. Als 1713 die schwedische Armee kapitulieren musste, verlor der Herzog nicht nur seinen Bündnispartner, sondern auch Helgoland.

Im August 1714 ging die dänische Flotte hinter der Düne vor Anker und forderte die Übergabe der Insel. Nachdem das nicht passierte, fingen die Dänen an, das Land aus Feuermörsern zu beschießen. Als alles brannte und ein Großteil der Häuser zusammengestürzt war, gab der Kommandant die Kapitulation bekannt und bot die Insel zur Übergabe an. Bis 1807 unterstand Helgoland der Herrschaft des Königs von Dänemark und seiner neuen Eigenschaft als Herzog von Schleswig.

In der dänischen Zeit wurde aus der einfachen Fischersiedlung Helgoland eine Kleinstadt. Aus einer primitiven Fischersiedlung wurde ein Städtchen. Schiffe trafen in steigender Zahl im Hafen ein und förderten den Handel.

Dänemark führte eine kluge Neutralitätspolitik und betrieb, gestützt auf seine bedeutende Kriegsflotte, ungestört Handel mit Übersee und seinen Kolonien in Westindien.

Wie schon in früheren Zeiten nahmen die Helgoländer Lotsen ihre Arbeit auf, um die Schiffe durch das Fahrwasser zu leiten. 1787 erhielten sie das Privileg als Lotsen rund um ihre Insel, was sich alsbald zum Monopol in der gesamten Deutschen Bucht ausweitete. Am Ende des 18. Jahrhunderts gab es 380 geprüfte Lotsen auf der Insel.

Der weit verbreitete Walfang zu jener Zeit bescherte den Helgoländern eine gut funktionierende Geldquelle. Der Fischfang wurde ausgedehnt, insbesondere Schellfisch wurde mit Langleinen geangelt. Um 1790 kamen die “Tiner” auf, in denen Hummer mit Ködern gefangen wurden. Die Hummerbuden, in denen seinerzeit Fischereigeräte und Werkzeuge gelagert wurden, findet man heute als Rekonstruktionen entlang des Südstrandes.

Die Helgoländer brachten es zu einem bescheidenen Wohlstand. Die Dänen heirateten auf Helgoland. Anno 1733 gab es erstmalig für Kinder im Alter von 6-14 Jahren einen Schulzwang. Die Zahl der Einwohner stieg im Jahre 1751 auf 2.000 an.

Für Einblicke in das damalige Leben sei das Helgoland-Museum in der Nordseehalle empfohlen.

1807-1890: Helgoland im Besitz von England

1802 wurden Elbe und Weser plötzlich von den Engländern blockiert, so dass alle Schiffe umgelotst werden mussten. Nach den jahrzehntelangen Friedensjahren war dies ein erstes Alarmsignal für jene, die zum Königreich Dänemark gehörten, also auch für Helgoland.

England hatte sein Kolonialreich erheblich vergrößert. Napoleon Bonaparte hatte das europäische Festland bis auf Russland bezwungen. Um auch die Seemacht Großbritannien zu unterwerfen, verhängte er eine Kontinentalsperre gegen die Britischen Inseln. Diese untersagte den Handel mit den Engländern.

Da die französischen Seestreitkräfte bereits zerschlagen waren, benötigte Napoleon eine wehrhafte Flotte, um gegen England antreten zu können. Die einzig namhafte Kriegsmarine besaß das neutrale Dänemark. Um diese dem Zugriff Napoleons zu entziehen, erzwang ein englisches Geschwader im August 1807 die Herausgabe der im Hafen liegenden dänischen Kriegsschiffe. Aber die Dänen weigerten sich.

Im September 1807 wurde die Insel schließlich von einer riesigen englischen Streitmacht umzingelt. Helgoland kapitulierte und bat um Waffenstillstand. Die Engländer marschierten auf das Oberland, rissen die dänische Flagge herunter und hissten ihre.

Im Winter 1807/08 waren alle Lebensmittel knapp und sehr teuer, dazu herrschte bitterer Frost. Die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre für alle englischen Waren war verhängnisvoll für die Bewohner. Die Lotsenfahrten kamen zum Erliegen, die Märkte des Festlandes waren für Helgoländer Fische und Hummer gesperrt. Den Helgoländern ging es schlecht, sie hungerten, hatten keine Verdienstmöglichkeiten mehr.

1807-1813 Schmuggelfahrten

Die Briten jedoch entdeckten, wie sie Helgoland nutzen konnten, um die Kontinentalsperre zu umgehen. Ein Schmuggel mit englischen Kolonialwaren begann. Obwohl dies mit hohem Risiko verbunden war, wurden bald Gewinne erzielt. Kaufleute aus England, Holland und Deutschland schlossen sich an. Die Waren wurden auf Helgoland abgeladen und heimlich über Wangerooge und Neuwerk zum Festland transportiert.

In dieser Zeit entstand ein Börsenhaus. Die Helgoländer vermieteten Wohn- und Lagerraum. Riesige Warenmengen an Kaffee, Zucker, Gewürzen, Baumwolle, Steingut und Stoffen lagerten im Unterland. Die Einwohner verdienten beim Entladen und Beladen der Schiffe sowie beim Stapeln der Waren. Viele Helgoländer beteiligten sich selbst am Schmuggel. Sie wurden wohlhabend.

Allerdings verschwand das kurze Wirtschaftswunder genauso schnell, wie ist gekommen war. Nach der Zerschlagung der französischen Herrschaft auf dem Festland im Jahre 1813 traten wieder geordnete wirtschaftliche Verhältnisse ein. Der Umschlagplatz Helgoland wurde nicht mehr benötigt.

Am 14.01.1814 wurden Dänemark alle früheren Besitzungen zurückgegeben, mit Ausnahme von Helgoland. Die Insel wurde England zugesprochen.

Für die Helgoländer war dies ein Schock. In ihre früheren Berufe als Fischer und Lotsen konnten sie nicht zurückkehren, da die wenigen vorhandenen Schiffe in schlechtem Zustand waren. Ihre Monopolstellung im Lotsenwesen war weggefallen. Längst gab es in den Küstenstädten Lotsenkompanien für die Elbe- und Weserschifffahrt. Hinzukam, dass die Helgoländer jetzt Engländer waren und als solche ihre Waren an deutschen und dänischen Küsten nicht absetzen konnten. Selbst das seit Jahrhunderten für die Helgoländer verbriefte Bürlottsystem, wonach ihnen bei Schiffsbergungen ein Anteil am Strandgut zustand, ging zugunsten der Landeskasse.

Während in Europa normale Verhältnisse einkehrten, herrschte auf der Insel Hunger und Verzweiflung. England kümmerte sich nicht um seine neue Kronkolonie.

1826 Gründung des Seebads Helgoland

Im Sommer 1824 trat plötzlich eine heftige Ruhrepidemie auf. Dies machte einen Arzt erforderlich, der sich dauerhaft auf der Insel niederließ. Als dieser gefunden war, dauerte es nicht mehr lange, bis die erste Apotheke eröffnete. Die medizinische Versorgung sollte erheblich zur Gründung des Helgoländer Seebades beitragen. Die Idee dazu stammte von dem Schiffszimmermann Jacob Andresen Siemens.

Die Helgoländer jedoch beobachteten das Entstehen des Seebades misstrauisch und mitleidig lächelnd. Kein Insulaner konnte sich vorstellen, freiwillig ins kalte Wasser zu gehen und sogar Geld dafür zu bezahlen. Wer wollte schon bei Sturm und Regen mit einem Segelboot über die Nordsee fahren? Und was sollte man Badegästen bieten?

Nichtsdestotrotz eröffnete am 01.07.1826 das Seebad Helgoland. Die Aktionäre des Seebades stellten Quartiere zur Verfügung. Eine Spielbank entstand sowie ein Lesesaal. Dies gehörte damals zu den Bedingungen, die ein Seebad erfüllen musste. Die alte Börse wurde für Kurgäste hergerichtet. Hier konnten sie sich aufhalten und essen. Zwei Badekarren wurden extra hergestellt.

Aller Anfang war schwer, in den ersten drei Jahren trafen nur etwa 100 Gäste ein. Aber langsam stieg die Zahl, 1830 zählte man bereits 335 Gäste.

Die Not der Helgoländer war allerdings nicht vorüber. Von den 2.100 Einwohnern war nur ein Drittel in der Lage, Steuern zu zahlen. Die meisten waren fast mittellos.

1831 wurde eine Bittschrift nach England geschickt. Die Insel habe hohe Schulden, der Kirchenfonds sei aufgebraucht. Die Einwohner baten für den Winter um Brot, Kartoffeln und Kohlen.

Nur dem Unternehmergeist der Helgoländer Bürger war es zu verdanken, dass mit der Eröffnung der Seebadeanstalt die ersten reichen Badegäste der Aristokratie sowie viele Künstler Geld auf die Insel brachten, von dem die Helgoländer leben konnten.

1834 begann mit der Hamburgischen Dampfschifffahrts-Compagnie ein regelmäßiger Schifffahrtsverkehr zwischen Hamburg und Helgoland. 14 Stunden nahm ein Reisender für eine Fahrt in Kauf. 1841 hielt sich Hoffmann von Fallersleben auf der Insel auf und dichtete das Deutschlandlied. Seine Büste steht als Denkmal an den Landungsbrücken.

Schließlich sorgten medizinische Argumente dafür, dass immer mehr Erholungsuchende den Weg auf die Insel fanden. Die pollenfreie Luft und das heilsame Seewasser würden wahre Wunder bewirken. 1842 kamen über 2.000 Gäste.

Übrigens befand sich bis zum Jahre 1860 vor der Nordspitze Helgolands kein Einzelfelsen. Dort hatte sich ein Loch gebildet, welches das Gestein zum Einsturz brachte. Ein einzelner 47 Meter hoher Brandungspfeiler blieb stehen, die “Lange Anna”.

In dieser Zeit entstanden viele öffentliche Gebäude: ein Theater, ein Regierungsgebäude, eine Schwimmhalle und ein Krankenhaus. Am Südstrand wurde eine Promenade angelegt. 1869 wurde die erste Landungsbrücke gebaut. Immer mehr Gäste der besseren Gesellschaftskreise ließen sich auf die Insel locken. 5.000 zählte man 1882.

1870-1890 Blütezeit und Ende der englischen Epoche

Als das Seebad 1872 in die Hände der Gemeinde überging, war sein Begründer Siemens im Jahre 1849 bereits verstorben. Am Fortschritt der Insel war seit den 1860er Jahren der englische Gouverneur Fitzharding Berkeley Maxse beteiligt, der erste Engländer, der nicht nur tatkräftig anpackte, sondern auch die deutsche Sprache beherrschte.

Der Gouverneur sah seine Hauptaufgabe darin, das Seebad auszubauen und dafür zu sorgen, dass alle Einwohner der Insel ihren Anteil bekamen. 1865 führte er eine Einfuhrsteuer auf Spirituosen und Weine ein. 1871 schloss die Spielbank und wurde auf seine Weisung hin nicht wieder eröffnet. Seine Reformen ermöglichten es, dass Helgoland als Badeort immer beliebter wurde. Reisen war nicht mehr nur ein Privileg von Aristokratie und Geldadel. Die Zahl der Badegäste stieg 1890 auf 12.732.

1890-1914 Helgoland in deutscher Hand

Im Juni 1890 brachte der Reichsanzeiger die Mitteilung, dass Helgoland in deutschen Besitz übergehen solle. Bereits 1870 hatte Bismarck vorgefühlt, ob England bereit sei, Helgoland gegen eine französische Kolonie einzutauschen. Dies wurde jedoch abgelehnt.

Für Deutschland wurde Helgoland als Marinestützpunkt immer wichtiger. Kaiser Wilhelm II. entschloss sich, die Insel zurückzugewinnen. Eine Möglichkeit sah er im Tausch deutscher Kolonialgebiete in Ostafrika gegen Helgoland. Er verhandelte, die Gebiete Sansibar und Witu gegen den kargen Felsen einzutauschen. Sansibar war zu dieser Zeit der größte Umschlagplatz im Orienthandel. Seine Absichten, hier einen Marinehafen zu errichten, verschwieg er. Mit dem am 01.07.1890 geschlossenen Helgoland-Sansibar-Vertrag ging der deutsche Kolonialbesitz in englisches Eigentum über.

Am 10.08.1890 nahm Kaiser Wilhelm II. in einem Staatsakt Helgoland in Besitz. Das über Nacht deutsch gewordene Helgoland feierte mit 12.000 Menschen seinen Kaiser.

Die Helgoländer waren anfangs von dem Tausch nicht begeistert. In den letzten beiden Jahrzehnten hatten sie unter englischer Herrschaft Wohlstand und Fortschritt kennengelernt. Dies gegen eine preußische Regierung einzutauschen, fiel ihnen schwer. Dennoch konnten sie einige Forderungen durchsetzen, u.a. die Entbindung von der Wehrpflicht und die Nichterhöhung des Zolltarifs bis 1910. Bis zum Geburtsjahr 1892 durften sie ihre Staatsangehörigkeit frei wählen.

1897 kamen zwei weitere Helgoländer-Rechte hinzu: Zum einen, dass ein Nicht-Helgoländer auf der Insel keinen Grundbesitz erwerben könne und dass der Gemeinde das ausschließliche Ausbootungsrecht zustehe.

1892 wurde die Biologische Anstalt (BAH) gegründet, die bis heute fortbesteht. Ein Teil davon ist die Vogelwarte, die am 01.04.1910 eröffnet wurde. Im Fanggarten auf dem Oberland werden regelmäßig Führungen angeboten.

Als 1908 mit dem Hafenausbau begonnen wurde, glich Helgoland einer Großbaustelle. Fertiggestellt wurde das Projekt im Jahre 1916.

Kaiser Wilhelm II. unterstützte Helgoland während seiner Regierungszeit großzügig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es den Insulanern gut. Alle verdienten, fanden Arbeit beim Festungs- und Hafenbau oder bei der Biologischen Anstalt. Durch die häufigen Kaiserbesuche wurde die Insel für die Deutschen attraktiv. Die Zahl der Tagesbesucher stieg im Jahre 1913 auf 100.000 an. Neue Schiffe der Reedereien Lloyd und Ballin sorgten für Komfort.

1914-1927 Der Erste Weltkrieg und die Goldenen Zwanziger

Im Jahr 1914 überschlugen sich die Ereignisse erneut. Der Kriegszustand wurde ausgerufen. Helgoland diente dem Militär als Seefestung, um die Deutsche Bucht vor der britischen Flotte zu schützen. Nach Ausbruch des Krieges brach über Nacht der Badebetrieb ab und alle Gäste mussten binnen 24 Stunden die Insel verlassen, ebenso wie die ca. 3.500 Helgoländer.

Über vier Jahre harrten die Flüchtlinge auf dem Festland aus. Im Dezember 1918 kehrten sie zurück und fanden ihre Häuser zwar beschädigt und geplündert vor, aber kaum zerstört. Die Kriegsgegner hatten die Insel kaum beschossen. Auf Grundlage des Versailler Vertrags wurde Helgoland entmilitarisiert.

Nach Instandsetzung der Badeeinrichtungen trafen 1919 bereits wieder Badegäste ein. Die Goldenen Zwanzigerjahre begannen und bescherten der Insel 1927 über 41.000 Badegäste und 111.000 Tagesgäste. Dann stoppte die Weltwirtschaftskrise die Reiselust.

1933-1945 Der Zweite Weltkrieg

1933 wurde Hitler Reichskanzler. Die Befestigungsanlagen waren im Ersten Weltkrieg kaum zerstört worden, so dass die einmarschierenden Soldaten die Baumaßnahmen fortsetzten. Der größte eisfreie Kriegshafen sollte entstehen, das sogenannte “Hummerscheren-Projekt”. 1943 verhinderten Material- und Arbeitskräftemangel die Fertigstellung.

Aus dieser Zeit stammen der Nord-Ost-Hafen und die vergrößerte Düne. Die Form der Hummerschere lässt sich vom Oberland aus leicht nachvollziehen.

Als der Zweite Weltkrieg am 01.09.1939 begann, wurde das Seebad geschlossen, die Düne für Zivilpersonen verboten. Helgoland war angefüllt mit Soldaten und Bauarbeitern. Der Bevölkerungsanteil lag bei 2.700 Personen.

Die ersten Bombardierungen durch die Engländer erfolgten im Mai 1943 und Oktober 1944, wobei das halbe Unterland zerstört wurde. Die Zivilbevölkerung fand Zuflucht in den Schutzräumen. Der nächste Großangriff am 18.04.1945 machte Helgoland dem Erdboden gleich. 128 Menschen starben.

Um einen weiteren Angriff zu verhindern, versuchte man, den Alliierten die Insel kampflos zu übergeben. Als Zeichen sollte auf dem Leuchtturm die weiße Flagge wehen. Aber der Plan wurde verraten, die beteiligten Personen verhaftet und hingerichtet.

Am 19./20.04.1945 begann die Evakuierung der Zivilbevölkerung zum Festland. In den folgenden sieben Jahren mussten sie mitverfolgen, wie nach Kriegsende ihre Heimatinsel zerstört wurde.

Monatelang transportierten die Engländer 6.700 Tonnen Sprengstoff hinüber und füllten die Bunkeranlagen. Hier unterscheiden sich die Quellen: Während einige behaupten, dass die Insel entmilitarisiert werden sollte, wird an anderer Stelle berichtet, dass Vertreter der britischen Admiralität selbst zugegeben hätten, die Insel “soweit zu zerstören, dass das Meer nur noch ein Übriges zu tun habe, um Helgoland ganz von der Oberfläche verschwinden zu lassen.”

Genau zwei Jahre nach dem ersten verheerenden Bombenangriff, betätigte am 18.04.1947 eine englische Flotteneinheit die Fernzündung, um die größte jemals von Menschenhand vorgenommene Einzelsprengung, den “Big Bang” vorzunehmen.

Aber das Vorhaben misslang. Insel und Ortschaft wurden verwüstet, aber der Fels hielt. Das heutige Mittelland oberhalb des Südhafens entstand.

Weitere fünf Jahre diente Helgoland der englischen Luftwaffe als Abwurfplatz für Bomben und Torpedos. Alle Proteste, Bitten und Eingaben um eine Beendigung prallten an der britischen Regierung ab.

Erst als zwei Studenten, René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld, am 20.12.1950 in einer Einzelaktion die Europa-Fahne auf der Insel hissten, begleitet von Reportern und Journalisten, stoppte die britische Regierung die Bombardierung.

Am 01.03.1952 fand die Freigabe Helgolands statt. Der Wiederaufbau war aufgrund der Bombenblindgänger gefährlich. Im April 1954 begann die Rückführung der Helgoländer Familien.

Ein farbenfrohes Helgoland erhob sich, wie wir es heute kennen. Grasbewachsene Bombentrichter im Oberland erinnern an die Zeit der Zerstörung. Gehen wir den Rundweg entlang, finden wir gelb markierte Pyramiden, die uns die Geschichte Helgolands näherbringen. Die Bunkerführungen gewähren spannende Einblicke in das unterirdische Tunnelsystem der Felseninsel.

Der Besucherrekord mit der unglaublichen Zahl von 831.387 Gästen wurde übrigens 1971 erreicht.

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