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Alljährlich gibt es auf Helgoland ein in Deutschland einzigartiges Schauspiel zu bewundern: Den Lummensprung. Bei diesem stürzen sich die etwa drei Wochen alten Lummenküken von den Felsen, auf denen sie ihre ersten Tage verbracht haben.

Eine fliegende Lumme

Dabei werden sie häufig von einem Elternteil begleitet. Während des Sturzes stoßen sie helle Laute aus, die als Erkennungszeichen der Familien dienen. Von Mitte bis Ende Juni können Besucher aus aller Welt die kleinen Lummen beobachten, die sich bis zu 40 Meter in die Tiefe stürzen.

Die Flügel sind bei ihnen noch nicht fertig ausgebildet, sodass sie beim Aufprall auf ihr dichtes Federkleid, Fettreserven und Luftsäcke im Körper angewiesen sind. Trotzdem breiten sie ihre kleinen Flügel aus und versuchen durch die Luft zu segeln. Die meisten überleben den Sturz unverletzt und schwimmen mit ihren Eltern hinaus auf das Meer.

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Lummenfelsen als Sprungbrett

Die an den Steilküsten von Helgoland brütenden Vögel sind Trottellummen, eine Vogelart der Gattung Lumme. Helgoland ist die einzige Brutstätte der Trottellummen in Deutschland. Etwa 3.000 Paare brüten zwischen März und Juni. Der von ihnen genutzte Felsen wurde nach ihnen benannt: Lummenfelsen. Er ist Deutschlands kleinstes Naturschutzgebiet.

Eine Besonderheit der Lummen: Sie bauen keine Nester, sondern legen ihre Eier auf den nackten Fels. Jedes Weibchen legt nur ein Ei. Die Eier sind birnenförmig, sodass sie sich nur im Kreis drehen, wenn sie angestoßen werden – und nicht vom Felsen herunterrollen können. Noch etwas ist auffallend an den Eiern: Sie sind erstaunlich variantenreich gefärbt. Von weiß mit gelben Schlieren über blau mit dunkelblauen großen Punkten zu grün mit kleinen braunen Punkten reicht die Palette. Die Eltern drehen das Ei regelmäßig um und krächzen dabei einen bestimmten Laut – so wird den Jungvögeln schon vor dem Schlupf ein Erkennungslaut beigebracht.

Warum springen die Lummenküken?

Ausgewachsene Trottellummen haben ein schwarz-weißes Federkleid – ganz ähnlich wie Pinguine. Und noch etwas verbindet diese beiden Arten: Sie sind exzellente Schwimmer! Allerdings sind auch die Trottellummen eher schlechte Flieger, die sich nur mit hohem Energieaufwand in die Lüfte erheben können. Die Nahrungsgründe liegen bis zu 40 Kilometer von dem Lummenfelsen entfernt, sodass die Alttiere große Entfernungen zurücklegen müssen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Sobald die Küken das richtige Alter erreicht haben, rufen die Eltern sie mit dem beigebrachten Erkennungslaut und die Jungtiere springen.

So schwimmen alle zusammen zu den Nahrungsgründen. Die Männchen kümmern sich jetzt um den Nachwuchs und füttern ihn die nächsten zwei Monate. Dann beginnen die jungen Trottellummen mit ihren ersten Flugübungen. Die Lummen bleiben die nächsten Jahre vor allem auf See – frühestens mit vier Jahren sind sie fortpflanzungsfähig und kehren nach Helgoland auf den Lummenfelsen zurück.

Lummentage im Juni

Wer unter fachkundlicher Leitung den Lummensprung im Juni miterleben möchte, kann bei der Kurverwaltung Helgoland ein dreitägiges Erlebnis-Paket buchen. Neben naturkundlichen Führungen sind auch Vorträge und Museumsbesuche enthalten. Zusammen wird natürlich auch der Sprung vom Lummenfelsen beobachtet. Eine Übernachtung auf Helgoland ist sinnvoll, da die kleinen Lummen ihren Felsen zumeist erst in der Abenddämmerung verlassen.

Dann haben sich die Möwen zurückgezogen, die auch junge Lummen fressen. Da die Jungtiere vor dem Sprung häufig zaudern, müssen Zuschauer genügend Geduld und warme Kleidung mitbringen. Auch im Sommer ist es häufig windig. Seit 200 Jahren brüten die Lummen als einzige Vogelart durchgängig auf Helgoland. Doch ist ein Urlaub an der Nordsee für Vogelfreunde nicht nur wegen der Lummen empfehlenswert: Bis zu 260 Vogelarten können auf Helgoland gesichtet werden.

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